Geschichtlicher und geografischer Abriss von Eslarn
 
Umgeben vom Oberpfälzer Wald liegt der Markt Eslarn in der südöstlichsten Ecke des Landkreises Neustadt/WN direkt an der Grenze zum Nachbarlandkreis Schwandorf und nahe der Staatsgrenze zu Tschechien. Eingebettet in einer Talsenke bildet die Kirche unübersehbar den Mittelpunkt des staatlich anerkannten Erholungsortes.

Über die Herkunft des Namens "Eslarn" und dessen Bedeutung sind sich die Geschichtsschreiber nicht eindeutig einig. Da der bei Eslarn befindliche Weideplatz nahe der böhmischen Grenze offenbar früher Reitern und Fuhrwerksbesitzern als Rastplatz diente und dieser als "Es" oder auch "Ez" - Weideplatz zum Äsen des Viehs - bezeichnet wurde, vermutet man die Herkunft des Ortsnamens aus dieser Richtung. Der Verfasser des Eslarner Heimatbuches, Dr. Josef Hanauer, begründet dies damit, dass neben diesem berechtigten Rastplatz ein Grundherr einige Leute angesiedelt habe und die Siedlung, die bei den Leuten am Es - am Weideplatz - lag, Eslern bzw. Eslarn genannt wurde.

Da der Ort Eslarn im Jahre 1240 erstmals urkundlich erwähnt wurde, konnte der heutige staatlich anerkannte Erholungsort 2000 mit dem 21. Heimatfest auch sein 760-jähriges Ortsjubiläum feiern. Nach Aussage der Geschichtsforscher soll der Ort Eslarn bereits im neunten Jahrhundert existent gewesen sein. Aber über die Entstehung und Entwicklung Eslarns sind nach den Ausführungen der Heimatforscher, Dr. Josef Hanauer und dem Lehrer Hans Schlemmer, keine urkundlichen Quellen vorhanden.

Wie erwähnt wird Eslarn erstmals im Jahr 1240 genannt und erscheint 1255 als herzoglich bayerischer Besitz. 1271 kaufte Herzog Ludwig von Oberbayern den Ort und übertrug "Eslarn" einen kleinen Amtsbereich. Im Laufe der Jahrzehnte wechselte Eslarn oft seinen Besitzer. Eslarn bestand um die Mitte des 13. Jahrhunderts aus elf Höfen und einer Mühle, sowie elf Wohnstätten, zu denen nur ein kleiner Grundbesitz gehörte.

Um 1450 forderte die Pest auch in Eslarn ihre Opfer und Jahre später brachten die Hussiten große Not und furchtbares Elend ins Land. In der Zeit zwischen 1443 und 1588 hießen die Eslarner Hofmarksherren Stöckl, der als Ritter Hieronymus Stöckl von Rottach zu Eslarn 1567 auf den heute noch bezeichneten Schloßberg ein neues Herrenhaus erbauen ließ.
Der letzte aus dem Geschlecht der Stöckl in Eslarn war Herr über einen ansehnlichen Grundbesitz. Erst 1598 erhielt das Dorf Eslarn die Erlaubnis, ein Wappen zu führen. Das im Grundton blau gehaltene Wappen stellt im oberen Teil einen silbernen Löwen und unten einen silberfarbenen Fisch dar.

Der mit dem Namen "Eßling" bezeichnete Fisch soll auf den Ortsnamen anspielen. Während des Dreißigjährigen Krieges war eine normale Bewirtschaftung nicht möglich und die Felder und Wiesen kamen in einen derart desolaten Zustand, dass wenig
Interesse bestand, diese vom Markt aus zu bewirtschaften. Durch Verleihung erhielt Eslarn durch den Pfalzgrafen Johann als Administrator der Oberpfalz die Marktrechte und 1619 den Titel "Markt" verliehen.
Um das 16. Jahrhundert wurden außerhalb von Eslarn wieder Bauernhöfe gegründet. Auf den Ödstellen ließen sich zwar bereits in den früheren Jahren Siedler nieder, diese verschwanden vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen wegen geringer Erträge, die der karge Boden hervorbrachte, nach einiger Zeit wieder.  Die Bevölkerung von Eslarn vermehrte sich im Laufe der
Jahre nur langsam. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts bestand Eslarn aus 23 und im Jahre 1588 aus 153 Anwesen. Die zu Eslarn gehörigen Ortschaften stammen wohl aus der Rodungszeit zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert. Nach dem Dreißigjährigen Krieg zählte man nur noch 120 Besitztümer. Die Einwohnerzahl stieg von 1809 von 1535 Einwohner auf 2525 im Jahre 1880.

Hohe Blutzolle forderten sowohl die Hussiteneinfälle als auch der Dreißigjährige Krieg. Die Tillygräben, die unmittelbar an der
Landesgrenze nahe des örtlichen Grenzübergangs beim Ortsteil Tillyschanz liegen, rufen noch Erinnerungen aus dieser Zeit hervor. Diese heute noch bestehende "Tillyschanze" erinnert an das damalige Feldlager Tillys, dem die Landsknechte von Mansfeld gegenüberlagen.

In den ersten 500 Jahren des Bestehens des Dorfes Eslarn gab es keine Schule. Doch ein Schlosskaplan unterrichtete damals schon die Kinder der Hofmarksherren und reichen Grundbesitzer. Im 16. Jahrhundert wurde eine sogenannte Pfarrschule nach strengem kirchlichen Gepräge ins Leben gerufen. Ihren Glauben mussten die Eslarner aber nach dem jeweiligen Bekenntnis ihrer Landesherren wechseln. Das Ende des 30jährigen Krieges brachte der Eslarner Bevölkerung endgültig den katholischen Glauben. Bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts befand sich im Süden des Marktes auf dem früher bezeichneten Wenzelsberg, dem späteren Schloßberg, eine Kapelle, die den heiligen Wenzeslaus geweiht war. Das Kirchlein war Anlaufpunkt zahlreicher Wallfahrtsgruppen. Der Eslarner Hofmarksherr machte um 1550 aus der Kapelle ein Wohnhaus. Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges wurde sowohl die Kapelle als auch das Schloss zerstört.

Durch häufige Brände wurde die Eslarner Bevölkerung, die im Laufe der Jahrhunderte verhältnismäßig ruhige Zeiten erlebte, schwer geprüft. Beim Großbrand im Jahre 1895 wurden 147 Wohn- und 247 Nebengebäude ein Raub der Flammen.

Schwer getroffen wurde die Bevölkerung auch von den beiden Weltkriegen. Mit unendlicher Geduld und unter schweren Bedingungen begann nach 1945 der Wiederaufbau. Die Situation wurde damals auch durch die vielen Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland verschärft. Durch die Wiedererrichtung der tschechischen Staatsgrenze sind viele Menschen aus dem vormaligen Sudetenland nach Eslarn gekommen. Sie trugen teilweise ihr Hab und Gut über die grüne Grenze und fanden in Eslarn wenigstens vorübergehend eine neue Heimat.

Die Bevölkerung wuchs im Jahre 1945 bis 1947 auf über 4000 Personen an. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als der Marktflecken von all den Kriegs- und Brandschäden neu aufgebaut war, ging die Aufwärtsentwicklung kontinuierlich voran. Nur die Sorgen für die Einwohner hinsichtlich Arbeitsplatz wurden größer. "Wo sollten all die Männer einen Arbeitsplatz finden, der für die Ernährung ihrer Familien notwendig war", fragten sich damals die Verantwortlichen. Viele Eslarner wanderten daher nach Amerika in das Land der "unbegrenzten Möglichkeiten" aus. Aber auch in Nürnberg, München, Regensburg und Zwickau suchten die Eslarner eine neue Bleibe, um ihr Brot in der Fremde zu verdienen.

Da die Auswanderer ihrer Heimat stark verbunden bleiben wollten, gründeten die Eslarner in ihrer zweiten Heimat jeweils einen Heimatverein. Bei den Heimatfesten und größeren festlichen Veranstaltungen beweisen die Heimatvereine mit ihren Mitgliedern stets ihre starke Verbundenheit zum Heimatort Eslarn. Inzwischen ist 1989 der "Eiserne Vorhang" zum Osten gefallen, so dass ein ungehinderter reger Verkehr nach Tschechien stattfindet. Nach der Öffnung der Grenze zum Osten ist der Markt Eslarn vom "Randdasein" direkt an der Staatsgrenze zu Tschechien in den Mittelpunkt gerückt, so dass der Bevölkerung im Gegensatz zu früher die Tore nach allen vier Himmelsrichtungen offen stehen.
Zurück