Geschichtliches über die Eslarner Schule
 
Die Eslarner Schulgeschichte führt von einem Schul- und Mesnerhaus im 16. Jahrhundert über ein Schulgebäude in der Schulhausstraße in den Jahren 1897 bis hin zum Bau eines Zentralschulhauses 1928 am heutigen Standort der Grund- und Teilhauptschule. Nach der Sanierung des Grundschultraktes 1996 folgte der Umbau und die Sanierung des Hauptschultraktes mit der Installierung eines neuen Physik- und Chemieraumes.

Ein Schul- und Mesnerhaus in Eslarn wurde nach Erkenntnissen des Eslarner Geschichtsforschers, Dr. Josef Hanauer, nach den Überlieferungen erstmals Mitte des 16. Jahrhunderts erwähnt. Das erste Schulhaus befand sich am ehemaligen Friedhof und war Eigentum der Gemeinde. Im Jahr 1724 unterrichtete der Lehrer während der Winterzeit sechzig bis siebzig Schüler. Das waren viel zu wenig Schulkinder im Vergleich zur Bevölkerungszahl von ungefähr 1200 Einwohnern.

Während der Sommermonate war von vornherein ein geregelter Unterricht nicht möglich. Im Jahr 1808 stand für den Volksschulunterricht nur ein einziges Klassenzimmer zur Verfügung. Dieses war in Anbetracht der großen Schülerzahl viel zu klein. Überdies befand sich das Schulhaus in einem äußerst schlechten Zustand. Von Jahr zu Jahr wurde das Gebäude ruinöser. In einem einzigen Raum mussten 236 Kinder unterrichtet werden. Weil das Schulzimmer zu klein war, wurde der Plan gefasst, das Nebenzimmer mit dem Unterrichtsraum zu vereinigen. Bis zur Beschlussfassung dauerte es noch fünf Jahre. Der Anbau ans Schul- und Mesnerhaus wurde tatsächlich im Jahre 1839 erstellt. Die Schulraumnot war damit keineswegs beseitigt, denn die Schülerzahl nahm ständig zu.

Im Jahr 1843 waren 309 Schulkinder vorhanden. Für diese stand, wie bisher, nur ein einziges Lehrzimmer zur Verfügung. Der Unterricht wurde vom Lehrer und vom Schulgehilfen erteilt, und zwar zur selben Zeit, täglich ungefähr acht Stunden lang. Die beiden Lehrkräfte suchten sich ihre Arbeit dadurch etwas zu erleichtern, dass sie zwei Klassen bildeten. Die obere Klasse hatte Unterricht von 7 bis 9.45 Uhr und am Nachmittag von 12 bis 14 Uhr. Dagegen trafen sich die Kinder der unteren Klassen von 9.45 Uhr bis 11 Uhr und nachmittags von 14 bis 15.45 Uhr zum Unterricht. Damit waren aber immerhin noch in einem einzigen Raum zu gleicher Zeit 150 Kinder versammelt. Während die einen Schüler mit Schreiben beschäftigt waren, mussten die anderen außerhalb der Schulbänke stehen.

Später fand man mit der "Vorbereitungsschule" im "Zierer Haus" eine andere Lösung. Zur Klärung der Raumfrage wurden verschiedene Vorschläge unterbreitet. Zur Wahl stand das von der Marktgemeinde im Jahr 1846 erworbene Gebäude des praktischen Arztes Dr. Turban in der Waidhauser Str. 4. Ursprünglich sollte dieses Gebäude Forsthaus werden, aber man änderte das Vorhaben und gedachte es zu einem Schulhaus umzugestalten. Die Regierung von Regensburg genehmigte allerdings den Plan nicht, da das Haus nicht geeignet war, die große Zahl von 320 Schulkindern aufzunehmen.

Da brach am 31. August 1848 im Gebäude der Rotgerberswitwe, Ursula Bauriedl, in der Bahnhofstraße 1 ein Brand aus, der die Wohn- und Ökonomiegebäude einäscherte. Zugleich griff das Feuer auf das Schulhaus und das daneben befindliche Rathaus mit dem Brotladen über. Die Kirche in unmittelbarer Nähe konnte nur mit Mühe gerettet werden. Nach dem Brand musste bis 1850 trotzdem der Schulunterricht im Haus des Dr. Turban abgehalten werden. Da ein geeigneter Platz für ein neues Schulhaus nicht zu bekommen war, wurde 1850 beschlossen, das Schul- und Rathaus am alten Platz wiederaufzubauen.

Bisher oblag die Unterhaltung des Schul- und Mesnerhauses zur einen Hälfte der Kirchenstiftung, zur anderen Hälfte der Gesamtschulgemeinde. Im Jahr 1850 wurde beschlossen, dass das Schul- und Mesnerhaus künftig Eigentum der Gemeinde Eslarn, der Kirchenstiftung und der eingeschulten Gemeinden sein sollte. Das frühere Schul- und Mesnerhaus war ein gesondertes, vom Brotladen und Rathaus getrenntes Gebäude gewesen. Nach dem neuen Plan sollten diese drei Gebäude einen einzigen Dachstuhl erhalten. Als 1851 bereits die Ruinen des alten Gebäudes niedergerissen waren, konnte man sehen, wie sehr die Kirche durch den freigewordenen Platz gewonnen hatte. Die Sicht zur Kirche versperrten auch noch andere Nebengebäude. So befand sich in der Nähe des Schulhauses ein Schuppen, welcher Eigentum der Kirchenstiftung war, das sogenannte Heilig-Grab-Schüpferl. Es diente zur Aufbewahrung des Heiligen Grabes und anderer kirchlicher Gegenstände.

Im Jahr 1816 wurde dem Lehrer Allio gestattet, auf eigene Kosten einen hölzernen Schuppen zu bauen. Dieser brannte am 13. Juni 1831 ab. Auf Ansuchen erhielt der Lehrer 1833 die Genehmigung, an derselben Stelle einen Stadel aus Stein aufzustellen. Schon längst waren die räumlichen Schulverhältnisse im Eslarner Schulhaus untragbar geworden. Im Schuljahr 1866/67 besuchten 392 Kinder die Volksschule und die Zahl der Feiertagsschüler betrug 134. Im Jahr 1870/71 zählte man 400 Volksschüler und 148 Feiertagsschüler. Die steigende Schülerzahl machte eine Erweiterung des Schulhauses notwendig und deshalb wollte man ein viertes Schulzimmer gewinnen. Im Jahr 1871 wurde der Erweiterungsbau vollendet. In dieser Zeit unterrichteten in Eslarn vier Lehrer.

Am 21.Januar 1871 machte der Schulsprengelausschuss an die Regierung eine Eingabe des Gehaltes wegen, das der zweite definitive Lehrer zu erhalten hatte. In der Eingabe heißt es unter anderem: "Bekanntlich ist die Schulgemeinde Eslarn die ärmste im ganzen Königreich Bayern."

Aus der Pfarrbeschreibung des Jahres 1874 war zu erfahren, dass damals 430 Kinder schulpflichtig waren. Sie verteilten sich auf vier Abteilungen. Im Jahr 1884 standen für die 567 Volksschulkinder fünf Klassenzimmer zur Verfügung und im Rathaus war inzwischen ein weiteres Klassenzimmer eingerichtet worden. Die Schulverhältnisse werden im ganzen als schlecht bezeichnet. Die im Jahr 1872 von einem Eslarner Schreiber angefertigten Schulbänke waren für ihren Zweck denkbar ungeeignet, da sie viel zu schmale Sitzgelegenheiten und zu schmale Tischplatten hatten.

Einen im Jahr 1886 erwogenen Plan, das alte Schulhaus zu erweitern, ließ man bald fallen. Im Jahr 1891 wurde der Beschluss gefasst, ein ganz neues Schulgebäude zu errichten. Es dauerte allerdings noch eine Reihe von Jahren, bis der Plan zur Ausführung kam. Inzwischen war die Zahl der Lehrkräfte auf fünf gestiegen. Im Jahr 1896 befanden sich in der Abteilung des Lehrers Adolf Sturm, welche die Knaben des 4. bis 7. Schuljahres umfasste. Dabei befanden sich 133 Schüler in einem Raum von 60 qm Größe. Die Lehrerin Giehrl unterrichtete 135 Mädchen in einem Schulraum von 56 qm Fläche. Die Schüler mussten in den durchgehend unpraktischen Bänken so eng zusammengepfercht sitzen, dass sie sich nicht mehr rühren konnten.

Dies teilte Pfarrer Sperl, der zugleich Lokalschulinspektor war, dem Bischöflichen Ordinariat mit. Es war aus Platzmangel nicht einmal möglich, die Kinder auf dem Boden sitzen zu lassen. Die Lehrkräfte konnten sich den einzelnen Schülern nicht ausreichend widmen. Pfarrer Sperl klagte, in den oberen vier Klassen befinde sich nicht ein einziger Junge, der korrekt zu lesen fähig sei. Er forderte zwar von der zuständigen Stelle Beseitigung der dreißig Jahren bestehenden Missstände, aber es erfolgte nichts. Darum führte der Pfarrer unter Zustimmung der Lehrkräfte aus eigenem Ermessen in den oberen Schulklassen Abteilungsunterricht ein. Der vierte und fünfte Schuljahrgang hatte vormittags, der sechste und siebte nachmittags drei Stunden lang Unterricht.

Vor allem Pfarrer Sperl setzte sich unentwegt für einen Neubau des Schulhauses ein. In einer Eingabe an die Regierung vom 13. November 1896 erklärte Pfarrer Sperl, dass drei neue Schulsäle zur Zeit bereits notwendig und die Errichtung einer sechsten Lehrerstelle bloß ein Notbehelf sei. In den Jahren 1897/98 wurde tatsächlich ein neues Schulhaus mit drei Unterrichtsräumen und Wohnungen für die Lehrkräfte in der Schulhausstraße 1 errichtet. Am 27.Oktober 1898 konnte es seiner Bestimmung übergeben werden. Bereits Pfarrer Sperl hatte erklärt, dass ein neues Schulhaus mit drei Klassenzimmern nur ein Notbehelf sein könne.

Die ersten Bestrebungen für die Errichtung eines ausreichenden Zentralschulhauses gehen aus das Jahr 1905 zurück. Pfarrer Sperl verkaufte an die Marktgemeinde zwei der von ihm früher erworbenen Grundstücke, nämlich den Regeracker, auch Stadeläckerl genannt, und den Geierbauernacker um 3100 Mark. Das Gelände sollte für das zu errichtende Schulhaus und den geplanten Friedhof Platz bieten. Von dem Kaufpreis wurden später 1900 Mark an Pfarrer Bayer mit der Verpflichtung überwiesen, das Kapital einer in Eslarn zu errichtenden Kinderbewahranstalt zu überlassen, sobald ein geeignetes Rechtssubjekt für diese Anstalt ins Leben gerufen werden könne. Die Inflation fraß jedoch das Kapital vollständig auf.

Im Jahr 1927 betrug die Zahl der Volksschüler 499, und zwar 270 Knaben und 229 Mädchen. Auf dem erworbenen Gelände wurde am 23. Juli 1928 mit dem Bau eines Zentralschulhauses begonnen. Der Unterricht konnte am 27. Oktober 1930 wenigstens teilweise aufgenommen werden. Vom Schuljahr 1931/32 an wurden für den Unterricht der Mädchen Franziskanerinnen von Dillingen eingesetzt. Sobald das Zentralschulhaus für den Unterricht zur Verfügung stand, begann man mit dem Abbruch des alten Schul- und Rathauses.

Zusammen mit dem Neubauprojekt war auch der Bau einer Turnhalle beschlossen worden. Aber es kam nur zur Erstellung der Grundmauern. Dann wurde der Bau aus finanziellen Gründen eingestellt. Erst im Jahre 1954 wurde die Turnhalle vollendet. Im Jahr 1938 entfernten die kirchenfeindlichen Nationalsozialisten die klösterlichen Lehrkräfte und an ihre Stelle traten weltliche Lehrerinnen. Nach Beendigung des Weltkrieges, im Jahr 1946, nahmen die klösterlichen Lehrkräfte den Unterricht an der Volksschule wieder auf. Während der letzten Kriegsmonate des Jahres 1945 wurde im Schulhaus ein Lazarett eingerichtet. In dieser Zeit konnte der Unterricht für die Schulkinder nur notdürftig aufrechterhalten werden. Ein Schulraum wurde zusätzlich im Gasthaus "Böhmerwald" eingerichtet.

Vom 24. April 1945 an diente das Schulgebäude als Standquartier der amerikanischen Soldaten. Nach Abzug der Amerikaner wurden im Schulhaus die in der Umgebung aufgegriffenen Wehrmachtsangehörigen festgehalten und dann von hier aus in die Entlassungslager gebracht. In dieser Zeit musste auf die Erteilung des Schulunterrichts verzichtet werden.

Von 1946 an bis Ende Juni 1949 lag die Leitung der gesamten Volks- und Berufsschule in Eslarn in den Händen der Oberin Henrika Weiß. Vom 1. Juli 1949 an übernahm Johann Faltenbacher die Leitung der Knabenschule und die Leitung der Mädchenschule verblieb in den Händen der Oberin Henrika Weiß. Um der Jugend des Grenzmarktes ein besseres Bildungsangebot vermitteln zu können, beschlossen Bürgermeister und Marktrat in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre, die bestehenden Schulgebäude umzubauen und für die Oberklassen einen Neubau zu errichten.

In den Jahren 1957/58 wurde das ehemalige Schulhaus in der Schulhausstr. modern ausgebaut. In den Schulräumen fand dann der Unterricht für die landwirtschaftlichen Berufsschüler statt.

Aber schon 1959 war es damit wieder zu Ende. Die landwirtschaftlichen Berufsschüler besuchen seitdem den Unterricht in Vohenstrauß. Dorthin war bereits 1955 der Unterricht für die gewerblichen Berufsschüler verlegt worden.

Im Jahr 1880 unterrichteten 4 Lehrer in 5 Schulräumen 567 Schüler und hundert Jahre später standen 17 Schul- und 14 Ausbildungsräume für 348 Schüler zur Verfügung. Die Zahl der Lehrer betrug damals 14. Im Jahr 1985 besuchten nur mehr 272 Kinder die Volksschule.

Die Eslarner Volksschule besitzt derzeit nach dem Anbau 1970 vierzehn ausgebaute Schulsäle, eine Schulküche, einen Handarbeits-, einen Werk-, Maschinen- und Keramikraum, sowie einen Physik- und Chemiesaal. Eine Pausenhalle verbindet Alt- und Neubau. Inzwischen tauchte erneut das Problem Raumnot auf. Die 1954 vollendete Turnhalle vermochte den Anforderungen der modernen Zeit nicht zu genügen, darum baute die Marktgemeinde im Jahre 1988 ein neues Turn- und Sportgebäude. Mit der Schulsanierung wurde 1996 die Grundschule und ab 1998 mit Umbau- und Sanierungsarbeiten der Hauptschultrakt im Nordostteil der Schule aufpoliert. Einige finanziellen Sorgen bereitet dem Gemeinderat der Verbindungsbau zwischen Nordosttrakt und Grundschule, mit der die Bauarbeiten an der Eslarner Schule abgeschlossen werden sollen.
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